Chiemgauer Zellkulturlabor GmbH

Vom Zellrasen zum Paraffinblock

Ein Zellmodell entsteht in mehreren Wochen, in wenigen klar getrennten Schritten.

  1. Kultur und Vorrat

    Eine Zelllinie ist eine Zellpopulation, die sich im Labor weiter teilt. Sie wächst in Nährlösung bei Körpertemperatur und wird geteilt, sobald sie zu dicht wird. Ein Teil wird eingefroren und über flüssigem Stickstoff gelagert, damit später wieder von einem definierten Ausgangszustand aus gearbeitet werden kann.
  2. Charakterisierung

    Entscheidend ist nicht der Name einer Linie, sondern was sie trägt. Vor der Verwendung wird bestimmt, welche Veränderungen vorliegen und in welcher Ausprägung. Da sich Kulturen über viele Passagen verändern können, wird das im Verlauf wiederholt.
  3. Mischen

    Zellen mit einer bestimmten Veränderung werden mit unveränderten Zellen zusammengeführt. Damit wird nachgebildet, was in einem Tumorgewebe der Normalfall ist: Nur ein Teil der Zellen trägt die Veränderung. Über das Verhältnis lässt sich einstellen, wie schwer sie zu finden ist.
  4. Fixieren und einbetten

    Damit aus einer Zellsuspension ein schneidbarer Block wird, wird das Pellet in einer Matrix gefällt, in Formalin fixiert, entwässert und in Paraffin eingebettet. Das ist dasselbe Verfahren, mit dem Gewebeproben seit über hundert Jahren haltbar gemacht werden. Es hinterlässt Spuren im Erbgut, die in der Auswertung sichtbar werden können, und genau deshalb sollte ein Modell diese Behandlung mitmachen.
  5. Schneiden

    Vom Block werden am Mikrotom Schnitte abgenommen und je nach Verwendung auf Objektträger aufgezogen oder in ein Reaktionsgefäß gegeben, aus dem später die Erbsubstanz gewonnen wird.
  6. Messen und festhalten

    Der Anteil veränderter Zellen wird am fertigen Material bestimmt und nicht aus dem Mischungsverhältnis abgeleitet, weil beides auseinanderfallen kann. Welches Verfahren dafür geeignet ist, richtet sich nach der Variante. Was gemessen wurde und unter welchen Bedingungen, steht in der Chargenbeschreibung.
KI-generiertes Motivbild: geöffneter Inkubator mit Kulturflaschen
KI-generiertes Motivbild. Kulturflaschen im Inkubator, das rote Medium zeigt den pH-Wert an.

Was Labore damit tun

Wer ein Untersuchungsverfahren einrichtet, muss wissen, wo dessen Grenzen liegen. An Material bekannter Zusammensetzung lässt sich das bestimmen, ohne Proben von Patientinnen und Patienten dafür zu verbrauchen. Später dient dasselbe Material der laufenden Beobachtung: Wird über Monate mit vergleichbarem Material geprüft, fällt auf, wenn sich etwas verschiebt.

Ein weiterer Einsatzbereich sind Ringversuche, bei denen viele Labore dieselben Proben untersuchen und die Ergebnisse verglichen werden. Solche Vergleiche brauchen größere Mengen gleichartigen Materials.

Woher die Zellen stammen, mit denen wir arbeiten, steht auf der Seite Material spenden.

Woran wir uns halten

Rückverfolgbarkeit
Zu jeder Charge wird festgehalten, aus welchem Ausgangsmaterial sie entstanden ist und welche Werte dabei ermittelt wurden.
Definierter Ausgangszustand
Gearbeitet wird aus eingefrorenen Vorräten, damit spätere Chargen auf einen dokumentierten Stand zurückgehen und nicht auf eine dauerhaft weitergeführte Kultur.
Messen statt rechnen
Angaben zum Anteil veränderter Zellen beruhen auf Messungen am fertigen Material, mit Angabe der Streuung.
Rückstellmaterial
Von einer Charge bleibt nach Möglichkeit Material im Haus, damit Rückfragen später an demselben Material beantwortet werden können.

Diese Seite beschreibt den Ablauf allgemein. Was für eine bestimmte Charge gilt, steht in der zugehörigen Chargenbeschreibung.