Zellmodelle für humane Tumoren
Wir züchten menschliche Zelllinien und bauen daraus Modelle: definierte Mischungen, die ein Tumorgewebe in den Eigenschaften nachbilden, auf die es im Labor ankommt.
Worum es geht
Wenn ein Labor eine Gewebeprobe auf genetische Veränderungen untersucht, muss es sich darauf verlassen können, dass das Verfahren zuverlässig arbeitet. Prüfen lässt sich das nur an Material, dessen Eigenschaften vorher bekannt sind.
Ein echter Krankheitsfall eignet sich dafür schlecht. Er ist einmalig, die Menge reicht für wenige Ansätze, und gebraucht wird er für die Untersuchung selbst. Wer regelmäßig prüfen oder viele Labore gleichzeitig vergleichen will, kommt damit nicht weit.
Was ein Zellmodell ist
Ein Zellmodell ist eine Mischung. Zellen, die eine bestimmte genetische Veränderung tragen, werden mit unveränderten Zellen in einem festgelegten Verhältnis zusammengeführt.
Das bildet eine Eigenschaft echter Proben nach, die Untersuchungsverfahren regelmäßig an ihre Grenze bringt: In einem Tumorgewebe trägt nie die gesamte Zellmasse die gesuchte Veränderung. Ein Teil der Zellen gehört zum umgebenden Gewebe, und auch innerhalb des Tumors tragen nicht alle Zellen dieselben Veränderungen. Wie hoch der Anteil ist, entscheidet darüber, ob ein Verfahren die Veränderung noch findet.
Im Modell lässt sich dieser Anteil einstellen, messen und wiederholen. Anschließend nimmt das Material denselben Weg wie eine Gewebeprobe: fixiert in Formalin, eingebettet in Paraffin, geschnitten. Aus einer Kultur entsteht dabei so viel Material, wie gebraucht wird, und Monate später noch einmal dasselbe.
Was ein Zellmodell nicht abbildet, ist der Aufbau eines Gewebes, also die räumliche Anordnung und die Vielfalt der Zelltypen darin. Es ist ein Modell, kein Ersatz.
Was zu einer Charge gehört
- Charakterisierung
- Vor der Verwendung wird bestimmt, welche Veränderungen eine Linie trägt und in welcher Ausprägung. Da sich Kulturen über viele Passagen verändern können, wird das im Verlauf wiederholt.
- Definierter Ausgangszustand
- Gearbeitet wird aus eingefrorenen Vorräten, damit spätere Chargen auf einen dokumentierten Stand zurückgehen und nicht auf eine dauerhaft weitergeführte Kultur.
- Mischen und einbetten
- Die Zellen werden im berechneten Verhältnis zusammengeführt, das Pellet in einer Matrix gefällt, in Formalin fixiert, entwässert und in Paraffin eingebettet, also behandelt wie eine Gewebeprobe.
- Werte am Material
- Der Anteil veränderter Zellen wird am fertigen Material gemessen und nicht aus dem Mischungsverhältnis abgeleitet. Angegeben wird der Messwert mit seiner Streuung.
Woher die Zellen stammen
Ein Teil der Zelllinien, mit denen wir arbeiten, ist seit Jahrzehnten in Sammlungen verfügbar und wird weltweit verwendet. Daneben legen wir eigene Linien an. Sie entstehen aus Gewebe, das nach einer abgeschlossenen Untersuchung übrig geblieben ist und das Patientinnen und Patienten dafür ausdrücklich zur Verfügung gestellt haben.
Was das im Einzelnen bedeutet, steht auf einer eigenen Seite: Information zur Gewebespende.
Wo wir arbeiten
Die Chiemgauer Zellkulturlabor GmbH betreibt in der Ludwigstraße in Traunstein eine Zellkultur mit angeschlossener Aufarbeitung.
Für einzelne Vorhaben sprechen wir Zielvarianten, Anteile, Formate und Mengen vorher ab. Wenn Sie etwas Bestimmtes brauchen, schreiben Sie uns.
Das hier hergestellte Material dient der Entwicklung und Überprüfung von Untersuchungsverfahren. Es wird nicht zur Untersuchung von Patientinnen und Patienten eingesetzt und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.